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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Nur einmal bringt des Jahres Lauf

Nur einmal bringt des Jahres Lauf

Richard von Wilpert

Der deutsch-baltische Lehrer und Schriftsteller spricht ein-/ zweideutig vom Frühling, der uns ins seiner Frische und seinem Wiedererwachen der Natur nur einmal im Jahr beglückt. Ähnlich einer Lebensanleitung oder eine Anleitung für einen Jungbrunnen gestaltet sich das vorliegende Gedicht. So schreibt Wilpert, auch das Leben bringe dem Menschen nur eine Jugend, doch ist ein jeder selbst dafür verantwortlich, wie lang die jugendliche Frische ihm erhalten bleibe. Nach dem Motto „Carpe diem“ – „Der Augenblick ist immer dein“ – sollten die Gelegenheiten und Stunden beim Schopf gepackt werden. Verschwende nicht deine Gedanken an vergangenes Leid, denn das macht dich krank – „und wer nur lebt vergangnem Leid wird nimmermehr gesunden“. Eben wie die Natur, die sich jedes Jahr aufs Neue im Frühjahr „verjüngt“, soll auch der Mensch „jung und blühend (…) durchs ganze Leben“ wandern. Also: schnell die Jugendfrische rausgekramt, aufpoliert und neu entfacht.

Ursprünglich veröffentlichte Wilpert das Gedicht unter dem Titel "Jugend" Mit einer Melodie von Theodor Mohr von 1895 erhielt es Einzug in die studentische Liedsammlungen und das Allgemeine Deutsche Kommersbuch.

Carolin Eberhardt

Nur einmal bringt des Jahres Lauf
uns Lenz und Lerchenlieder.
Nur einmal blüht die Rose auf,
und dann verwelkt sie wieder;

Nur einmal gönnt uns das Geschick
so jung zu sein auf Erden:
Hast du versäumt den Augenblick,
jung wirst du nie mehr werden.

Drum lass von der gemachten Pein
um nie gefühlte Wunden!
Der Augenblick ist immer dein,
doch rasch entfliehn die Stunden.

Und wer als Greis im grauen Haar
vom Schmerz noch nicht genesen,
der ist als Jüngling auch fürwahr
nie jung und frisch gewesen.

Nur einmal blüht die Jugendzeit
und ist so bald entschwunden;
und wer nur lebt vergangnem Leid,
wird nimmermehr gesunden.

Verjüngt sich denn nicht auch Natur
stets neu im Frühlingsweben?
Sei jung und blühend einmal nur,
doch das durchs ganze Leben!

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